Reisebericht Kirgistan

21. Juli bis 05. August 2012

Kirgistan, Kyrgystan, Kirgisien, Kirgisistan …. wohin?!?  Ungläubige Blicke und die Frage nach unserem heurigen Sommerurlaubsziel verfolgten uns bis zum Passkontrolleur am Flughafen in München in bayrischem Slang: „Kirgistan – Pause – Aha – Pause – Was macht ma den do?“
Dabei ist Kirgistan aber kein unbekanntes Land unter Bergsteigern. Sowohl der 7.000er Pik Lenin als auch der formschöne 6.996 Meter hohe Khan Tengri sind vielen ein Begriff. Das man aber auch abseits dieser hohen Berge unzählige, fast unberührte bergsteigerische Ziele findet, davon konnten wir uns auf dieser Reise ein Bild machen.
Neben den Bergen wollten wir aber auch Land und Leute kennen lernen. Als Land der Nomaden ist das ursprüngliche Kirgistan stark mit der Landschaft verbunden. Hirten mit Pferde-, Kuh- und Schafherden waren auch auf unserer Reise täglich anzutreffen.
Unser erstes Ziel war die Traversierung des Terskej Alatau, einem Gebirgszug, der Teil des Tien Shan Gebirges ist. Im kleinen Ort Chong Kysyl Suu starteten wir schwer bepackt diese 8-tägigeTrekkingtour. „By-Fair-Means“, „ohne Support“… die Bedeutung dieser im Bergsport mittlerweile modernen Redewendungen, spürten wir recht schnell im Schulter und Rückenbereich. Die wunderschöne Natur ließ aber schon bald die schweren Rucksäcke vergessen und wir hatten es gefunden, DAS Reiseziel für alle, die immer behaupten, nur zu Hause ist’s am Schönsten.  Als wir das erste Tal hinein wanderten, stellten wir fest, dass die Landschaft inkl. Blumen und Tieren ein Abklatsch von unseren Almgebieten darstellt. Allerdings muss man gestehen, noch ursprünglicher, noch bunter, noch eindrücklicher und wilder als daheim. Für Liebhaber der heimischen Berge ist dies also die perfekte Reisedestination. Wir begegneten vielen Hirten, Bauern und Imkern. Leider jedoch waren wir weder dem Kirgisischen noch dem Russischen (die 2.Amtssprache) mächtig und ihren Englischkenntnissen ging es dabei nicht besser. Unsere Unterhaltungen konzentrierten sich daher auf „Hallo“ und „Danke“. In dieser wunderschönen Gegend waren wir die ersten Tage vollkommen alleine unterwegs. Kein Wanderer, kein Tourist querte unsere Wege. In den 8 Tagen überquerten wir gesamt drei Pässe mit je ca. 3.900 Metern Höhe und stiegen dann ab in Täler auf ca. 2.600 Meter. Von Regen über Schnee bis Sonnenschein war auch vom Wetter her alles mit dabei. Wobei die Vormittagsstunden sichereres Bergwetter geboten haben und wir daher meist schon früh starteten. Die letzten drei Trekkingtage waren dann wie aus dem Bilderbuch. Keine Wolke am Himmel, super Fernsicht vom Ala-Kol-Pass auf die umliegenden Vier- und Fünftausender und gigantische Tiefblicke auf den Ala-Kol-See ließen unser Herz höher schlagen.
Auch die Wege veränderten sich mit der Route. Aus den anfänglichen Vieh-Trampelpfaden, auf denen wir uns meist Richtung Fluss und dann im zig-zag Richtung Berg bewegten, wurden richtige Wanderwege. Und an einem der letzten Tage war mit 8 Personen, die wir sahen, schon richtig die Hölle los.
Als Abschluss unserer Trekkingtour gönnten wir uns ein Bad in den heißen Quellen von Altyn Arashan. In dem gesamten Gebiet gibt es viele heiße Quellen, die dann in kleinen Becken mit etwas Kaltwasser vermischt werden. Das heiße Wasser tat unseren müden Beinen sehr gut und entspannte auch den Rücken, der unter dem Gewicht der Rucksäcke doch etwas leiden musste.
Nach acht Tagen gefriergetrocknetem Fertigessen und Pasta  freuten wir uns nun bereits auf eine richtig frisch gekochte Mahlzeit. Zurück in der „Zivilisation“ bestellten wir daher sofort ein üppiges Mittagessen mit Kartoffeleintopf, Salat, Brot und Wassermelone als Nachspeise. Besonders die aus Usbekistan importierten Wassermelonen hatten es in sich und machten auch gleich Lust auf ein neues Reiseziel… . So groß wie zwei Fußbälle nebeneinander waren die Wassermelonen am Markt zu erstehen und schmeckten so saftig und fruchtig, wie wir sie nie zu vor gegessen hatten. Gestärkt machten wir uns zu einer Besichtigungstour im kleinen Städtchen Karakol auf. Die von den Kosaken gegründete, ehemalige Sowjetstadt ist wie auch Bishkek, die Hauptstadt von Kirgistan, nach einem Raster mit nur rechtwinkeligen Straßen aufgebaut. Dies ist für die Orientierung ideal und schon bald fanden wir uns dort ganz leicht zurecht. Wären da nur nicht die Straßennahmen in Kyrillischer Schrift, aber das ist eine andere Geschichte.
Nach ein paar Stunden Stadt beschlossen wir am nächsten Tag einen Rast- und Badetag am Issyk Kul, dem nach dem Titicaca-See zweitgrößten Gebirgssee der Welt, zu machen. Dazu fuhren wir mit dem Bus auf die touristisch besser erschlossene Nordseite nach Tamchy, dem Urlauberparadies der Kirgisen. Hier wurden wir am Strand von Sonnenschirm um Sonnenschirm empfangen. Dazwischen waren Hühner und Kühe unterwegs und wir fanden neben Wassersportmöglichkeiten, wie Tretboot fahren auch Billardtische am Strand vor. Auf der gegenüberliegenden Seite des Sees konnten wir die Umrisse der Schneeberge entdecken und von unserer Unterkunft aus, direkt am Strand Frühstücken.
Die letzten beiden Tage verbrachten wir im Ala Archa Nationalpark. Nur eine Stunde von Bishkek entfernt, befindet sich das Ala Too Gebirge mit Schnee bedeckten Gipfeln über 4.000 Meter. Hier wollten wir noch einen Gipfel besteigen, bevor es wieder zurück in die Heimat ging. Zuerst stiegen wir dazu zur Ratsek Hut auf ca. 3.400m auf, wo wir in der Nähe zelteten. Noch in der Dunkelheit starteten wir am nächsten Tag Richtung Pik Uchitel und standen nach einem anstrengendem 4-stündigen Aufstieg durch Schotter und Geröll bei Sonnenschein auf dem 4.540 Meter hohen Gipfel. Hier konnten wir eine traumhafte 360° Aussicht, auf die umliegende Bergwelt und unsere Aufstiegsroute, genießen. Nun hieß es aber noch hinunter bis ins Tal und wir waren froh, als wir nach über 2.300 Meter Abstieg den Parkplatz erreichten. Das Bad im kühlen Hotelpool in Bishkek und der anschließende Radler ließen uns alle Anstrengungen gleich vergessen und unseren letzten Abend in Kirgistan auch noch zu einem besonderen Erlebnis werden.

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