Schiabenteuer Polarmeer

Norwegen, April 2012
Ostern einmal ganz anders, hieß es dieses Jahr für uns, Rupert und Linn. Linn Krogh Hansen, Journalistin mehrerer norwegischer Segelmagazine (Bericht 1, Bericht 2, Bericht 3), durften wir das Ski & Sail Abenteuer näherbringen und sie auf die traumhaften Gipfel der Lyngener Alpen führen.
Mit dem Segelboot „Arctic Vision“, und unseren Tourenschi durchquerten wir die Fjorde und Berge zwischen Tromsö und Lyngseidet, im Norden Norwegens, ca. 340 Kilometer nördlich des Polarkreises. Traumhaftes Wetter, Pulverschnee und gewaltige Ausblicke ließen die Woche wie im Flug vergehen. Mit unserem Boot hatten wir die Flexibilität die Bergwelt ganz bequem zu erforschen und konnten dadurch sogar Überschreitungen ohne lange Transportzeiten durchführen. An Bord durften wir die Freiheit des Segelns kennenlernen und die gewaltige Aussicht, auf die nächsten Touren genießen.
Auch für das leibliche Wohl war bestens gesorgt, denn unser Skipper Espen verwöhnte uns täglich mit einem warmen Mittagessen, wenn wir von der Schitour zurückkehrten. Abends durften wir Spezialitäten, wie norwegischen Lachs, Forelle und auch Rentier verspeisen.
Eine Woche voller unvergesslicher Eindrücke konnten wir in den Lyngen Alpen genießen. Nach der Anreise von München über Oslo nach Tromsö bezogen wir am Karsamstag unser Segelboot, die Arctic Vision. Ein 37 Fuß langes Boot, mit 3 Schlafkabinen, einem kleinen Badezimmer und einem gemütlichen Ess- und Kochbereich, sowie einem geräumigen Cockpit, war für die nächsten Tage unser zu Hause. Anfangs lernten wir die Gewohnheiten an Bord kennen, halfen beim Aufladen der Schier mit und befreiten das Boot vom frischen Pulverschnee, der uns am nächsten Tag zwei wunderbare Tiefschneeabfahrten ermöglichte. Dann fuhren wir zu unserem ersten Hafen, wo wir geschützt von den Wellen, eine geruhsame Nacht verbrachten.
Von dort fuhren wir am Morgen nur kurz zu unserem Ausgangspunkt. Die erste Schitour führte uns auf den 1.219 m hohen Storgalten. Beim Aufstieg konnten wir die umliegende Bergwelt und das Farbenspiel zwischen weißem Schnee und blauem Meer bestaunen. Die Inseln und Halbinseln, die verträumten Dörfer und vor allem die unzähligen Gipfel ließen unsere Herzen höher schlagen. Bei der Abfahrt durften wir dann zum ersten Mal die schier unendlichen Hänge der Lyngen Alpen in den Beinen spüren und konnten den ein oder anderen „Juchezer“ nicht zurückhalten. Nun hatte uns der weiße Rausch gepackt, es wurde ein zweites Mal aufgefellt und wir waren wieder unterwegs nach oben, um einen neuen unverspurten Hang zu genießen. Zufrieden nach einem ausgefüllten Tourentag konnten wir mit den Schiern bis zum Boot abfahren, wo uns ein schmackhaftes Mittagessen erwartete. Kurz darauf hissten wir die Segel und fuhren unserem nächsten Ziel entgegen. Wer Lust hatte, durfte beim Segeln mithelfen und einiges von unserem Skipper lernen.
Unser zweiter Schitourentag zeigte sich von seiner absolut schönsten Seite. Ungetrübter Sonnenschein ohne auch nur die kleinste Wolke am Himmel begleitete uns den ganzen Tag. Vom Boot bis zum Gipfel, dem 1.142 m hohen Storhaugen, konnten wir die gigantische Aussicht kaum fassen und bei jedem Schritt staunten wir erneut über die traumhafte Kulisse. Abgerundet wurde dieser atemberaubende Tag dann noch mit einer Pulverabfahrt, bei der wir es so richtig stauben ließen.
Wir hatten bereits unseren nächsten Gipfel, den 1.395 m hohen Tafeltinden, auf der gegenüberliegenden Seite entdeckt und Tom studierte aus der Ferne die Aufstiegsroute. Am Morgen querten wir dann den Fjord, legt an einer Boje an und ließen uns von Espen, unserem Skipper, mit dem Schlauchboot zur Küste bringen. Ein abenteuerliches Unterfangen mit den Tourenschischuhen und den gefüllten Schisäcken. Gut am Ufer angekommen, ging es über eine breite Rinne erst steil bergauf und anschließend auf einem Gletscherplateau im flachen Gelände zum Gipfelbereich. Auf zwei Seiten konnten wir das Meer sehen und auf der gegenüberliegenden Seite querten wir an einer Bergkette mit zahlreichen Spitzen vorüber. Kurz vor dem Gipfelanstieg zog etwas Nebel ein, doch am Gipfel angekommen, lichtete er sich wieder und gab die Aussicht aufs Meer und unsere Abfahrtsvariante frei. An diesem Tag hatten wir eine Überschreitung des Tafeltinden geplant und mit Espen eine Abholzeit um 15:00 Uhr in Koppangen, einige Kilometer südlich vom Ausgangpunkt, vereinbart. Nach der Abfahrt warteten wir in Koppangen auf unser Boot, als plötzlich bekannte Stimmen und Gesichter bei uns vorbei fuhren. Eine Gruppe aus Jochberg hatte in Koppangen eine Hütte am Strand gemietet, quasi genau vor unseren Füßen. Durch die freundliche Einladung auf ein Bier und ein Schnapsei war unser erster Après Ski gesichert.
Am nächsten Tag schneite es in der Früh und wir verlängerten unser Frühstück, bevor wir dann doch etwas Bewegung im Schnee suchten. Der Nebel und der Schnee hatten aber auch gute Seiten. Zum Einen wussten wir, dass es wieder guten Pulverschnee geben würde und zum Anderen konnten wir ein einzigartiges Alternativprogramm am Nachmittag miterleben. Wir machten einen Ausflug zu einem nahe gelegenen Husky Besitzer, der uns das Hundeschlittenfahren beibrachte. 5 Huskys wurden vor einen Schlitten gespannt und wir durften selbstständig so viele Runde mit den Hunden fahren, wie wir wollten. Natürlich blieb dabei das eine oder andere "Hoppala" nicht aus. So kam Linn plötzlich zu Fuß zum Start zurück, da der Schlitten mit den Hunden ohne sie losfuhr. Auch Rupert verlor die Balance, konnte aber den Schlitten laufenderweise wieder einholen und weiterfahren. Nach dem spannenden Nachmittag erwartete uns am Abend noch ein kulinarischer Leckerbissen. Tom hatte das Kochen übernommen und zauberte über 40 kleine Schnitzel, die wir bis auf eines alle mit großem Hunger verspeisten.
Gestärkt traten wir am nächsten Morgen unsere längste Schitour mit über 14 km Strecke an. Wir überquerten die Insel Uloya und dabei die drei Gipfel Blatinden 1.142 m, Uloytinden 1.114 m und Kjelvagtinden 1.064 m. Beim Aufstieg sahen wir viele Tierspuren und schon bald konnten wir in der Ferne einige Rentiergruppen erkennen, die auf dieser Insel beheimatet sind. Die Abfahrt bescherte Tom und Rupert dann noch eine Menge Spaß, da die letzten ca. 400 Höhenmeter durch einen lichten Birkenwald führten, wo sie sich im Slalomfahren übten. Linn und Dani hatten zwischen den Bäumen um einiges mehr Respekt. Zufrieden hissten wir die Segel und machten uns auf den Weg in unseren nächsten Hafen. Da wir den Tag voll auf der Schitour auskosteten, waren wir mit dem Boot etwas später unterwegs. Kurz nach Mitternacht erlebten wir dann noch ein besonderes Highlight, das Nordlicht. Das Spektakel wie das Nordlicht sich veränderte, war sehr beeindruckend und wir waren überglücklich über diesen Moment, da normal die Saison für Nordlichter Mitte April endet. Diese Nacht war eine der letzten Möglichkeiten, dieses Naturschauspiel zu beobachten.
An unserem letzten Schitourentag zeigte sich das Wetter von einer anderen Seite. Schnee, Nebel und Wind erwarteten uns schon am Morgen und wurden im Laufe des Tages noch stärker. Aufgrund der schlechten Sicht beschlossen wir dann unter dem Gipfelhang umzudrehen und den letzten steilen Aufschwung sicherheitshalber auszulassen. Am Abend legten wir am Hafen mitten im Zentrum von Tromsö an, wo wir zum Abschluss unsere Reise noch das Nachtleben in Nordnorwegen auskosteten, bevor wir am nächsten Tag die Heimreise antraten.

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