Chile. Reiseblog

2. November 2013 - 20. Jänner 2014

 

20. Jänner

Wir sind wieder gut zu Hause angekommen.

 

18. Jänner

Langsames Abschiednehmen.

Nachdem wir El Chalten mit einem Abstecher zum Perito Moreno Gletscher verlassen hatten, ging es für uns wieder zurück nach Chile in die südlichste Stadt des südamerikanischen Festlandes, Punta Arenas, und weiter nach Santiago. Schwer bepackt mit fast 90kg Gepäck aber noch viel, viel mehr Eindrücken, Erlebnissen und Erfahrungen einer unvergesslichen Reise, die wir mit einer exklusiven Weintour beenden konnten, treten wir von hier aus die Heimreise an.

 

15. Jänner

Von Träumen, Hoffnungen und wie sie, wenn man sich fast nicht mehr zu hoffen traut, Wirklichkeit werden. Bergsteigen in der Fitz Roy Gruppe mit Blick auf den berühmten Cerro Torre.

Unsere nächste Etappe führte uns nach El Chalten, berühmter Ausgangspunkt für alle Kletterabenteuer auf Gipfel mit klingenden Namen wie Fitz Roy, Cerro Torre, Torre Egger, Torre Standhardt, Poincenot… Klettern in dieser Gegend hat zwar viel vom Expeditionscharakter vergangener Jahre verloren, denn El Chalten ist mittlerweile ein florierender Touristenort und die meisten Kletterer starten direkt aus Chalten mit maximal einem Lager am Wandfuß, das patagonische Wetter macht es aber noch immer zu einer ernsten Unternehmung.

Dass die Gegend um El Chalten Teil unserer Reise sein sollte, daran bestand kein Zweifel, ich glaubte jedoch nicht, dass ich mit Dani hier etwas Ernstes klettern könnte und so blieb der Kletterführer dieses Gebietes aus Gewichtsgründen gleich zu Hause. So freundete ich mich, als begeisterter Bergsteiger und Alpinkletterer, einfach damit an, dass wir hier im Tal etwas klettern und ein paar Wanderungen in die Berge unternehmen werden, um ein paar schöne Ausblicke auf die Granitriesen zu erhaschen. Ganz einfach. Oder doch nicht so einfach. Wir bekamen gleich bei unserer Ankunft einen freien Blick auf die gesamte Fitz Roy Gruppe. Sollten wir doch eine Route versuchen? In El Chalten sein und die berühmten Berge nur vom Tal aus anschaun? Doch nicht so einfach.

Vorerst nahm uns aber das Wetter die Beantwortung dieser Fragen ab. Es hieß „bitte warten“. Ständiger Neuschnee in den Bergen - zu Hause bitter nötig, hier leicht zu entbehren - und der starke Wind machten anfangs nur ein paar Sportkletterrouten und etwas Bouldern im Tal möglich. Man braucht hier an Klettereien an den ausgesetzten Granitzapfen gar nicht erst denken, wenn einen der böige patagonische Wind beim Essengehen, in eines der zahlreichen netten Restaurants in El Chalten, fast von den Füßen holt. So ergaben sich auch einige Gelegenheiten, sich bei meinem Bergführerkollegen Jeremias, in dessen Wohnwagen wir im Garten wohnen durften, für die Gastfreundschaft zu bedanken und für die ganze Runde an neuen Freunden zu kochen. Ein kulinarisches Highlight, nicht nur für uns, waren sicher die Tiroler Speckknödel.

Für den 10. und 11. Jänner sagte der Wetterbericht ein kurzes Schönwetterfenster mit wenig Wind voraus. Diese Wetterfenster, hier spricht man generell immer nur vom „next window“ und nie von einer Periode, gilt es zu nutzen. Etwas wandern gehen? Nein, wenn wir schon einmal hier sind, möchten wir doch eine größere Route klettern, zumindest versuchen. An reine Felsrouten brauchten wir bei diesen kalten und schneeigen Verhältnissen gar nicht erst zu denken und so entschieden wir uns ein Eiscoloir (Amy/Vidailhet) an der Ostwand der Aguja Guillaumet (2.579m) zu klettern, um dann im oberen Teil über die Felsroute der Erstbegeher (Comesana/Fonrouge) den Gipfel zu erreichen. Das war der Plan.

Wir stiegen also am 9. Jänner bei noch schlechtem Wetter ins Lager Piedra Negra auf, wo uns ein halber Meter Neuschnee und viel Wind erwarteten. Unsere ursprüngliche Idee, noch am selben Tag auf den Paso Guillaumet zu gehen, um dort zu bivakieren, verschmissen wir gleich und sicherten uns einen der wenigen etwas windgeschützten Plätze. Im Laufe des Tages kamen noch zahlreiche andere Seilschaften ins Lager. Kein Wunder, denn bei diesen Verhältnissen war nicht viel möglich in der Gegend um Fitz Roy und Cerro Torre. Wir waren jedenfalls froh, schon früh hierher aufgestiegen zu sein und genossen das angenehme Zelt, während draußen die Spätankömmlinge noch versuchten ihre Zelte mit Mauern aus Schneeziegeln gegen den Wind zu schützen.

Der erste Blick aus dem Zelt um 2:30: klarer Himmel, fast kein Wind. Schnell Schnee schmelzen, Tee kochen, unser Müsli zubereiten und fertigmachen für den Tag. Um 4 Uhr ging es los. Kurz vor uns waren schon die ersten Stirnlampen im steilen Aufstieg zum Paso Guillaumet zu sehen. Am Pass angekommen, erlebten wir genau diese Momente am Berg, für die man die Anstrengungen, ungemütliche Bivaknächte und das frühe Aufstehen auf sich nimmt. Die soeben aufgehende Sonne zauberte eine unvergessliche Stimmung, tauchte die Granitwände in zarte Rottöne und wärmte uns nach dieser kalten Nacht.

Unter der Ostwand angekommen lief alles wie am Schnürchen. Die Seilschaften vor uns verteilten sich auf andere Routen in der Ostwand. Eine argentinische Seilschaft vor uns hatte schon konditionelle Probleme und bot uns an die Spurarbeit ins Coloir zu übernehmen. Dankend zogen wir schnell an den beiden vorbei. Der Bergschrund stellte kein großes Problem dar und schon kletterten wir in die schönen Eislängen der Route, die bereits 1968 von den Franzosen Bernard Amy und Pierre Vidailhet erstbegangen wurde. Am Wandfuß gab es für uns dann noch ein nettes Treffen. 2 Monate hatten wir auf unserer Reise keinen Österreicher kennengelernt und hier trafen wir auf den Ötztaler Bergführerkollegen Gerry Fiegl und den Südtiroler Simon Gietl, die von einer anderen Route zu uns herüberquerten.

In der 65° steilen, engen Eisrinne herrschten super Verhältnisse und wir kamen schnell zur kurzen Mixed-Ausstiegslänge auf den Grat. Hier trifft man normalerweise auf gute Granitkletterei in perfektem Fels. Der viele Neuschnee und die mit Eis gefüllten Risse zwangen uns jedoch auch diesen Abschnitt bis zum Gipfel mit Steigeisen und Eisgeräten zu klettern. Ich bin noch immer ganz begeistert von Dani’s Leistung in diesem Gelände, bei diesen Verhältnissen. Ohne lange zu zögern kletterte sie immer tapfer und auch recht zügig Seillänge für Seillänge nach, obwohl sie im kombinierten Gelände aus Eis und Fels noch nicht wirklich viele Touren gemacht hatte. Und so war es zu einem großen Teil auch sie, die mir diesen Traum auf einem Gipfel der Fitz Roy Gruppe zu stehen, ermöglichte. Um 11:15 Uhr, nach 7 Stunden Aufstieg, konnten wir am Gipfel der Aguja Guillaumet einen tollen Ausblick auf Fitz Roy, Cerro Torre und das patagonische Inlandeis genießen.

Erst nach dem Abstieg, wo wir über die Route Coqueugniot/Guillot abseilten und nach 11:30 Stunden unser Lager erreichten, wurde uns immer mehr klar, dass wir uns sehr glücklich schätzen konnten, uns mit diesem Gipfel einen würdigen bergsteigerischen Abschluss unserer Reise ermöglicht zu haben. Wir hatten nicht viel Zeit in El Chalten, auch nicht wirklich eine größere Tour geplant, auch kaum Ausrüstung für’s Eis mitgebracht (die Eisgeräte konnten wir uns ausleihen - danke Jere - und wir kletterten in unseren nur bedingt-steigeisenfesten Bergschuhen), nur ein einziges, kurzes Wetterfenster und doch konnten wir uns einen weiteren Traum erfüllen.

 

2. Jänner

Torres del Paine, 8 Tage unterwegs auf dem Circuito.

Flug von Puerto Montt nach Puntas Arenas, mit dem Bus weiter nach Puerto Natales, eine Nacht im Hostal und weiter mit dem Bus in den Parque Nacional Torres del Paine. Alles hat perfekt geklappt und als wir mit dem Boot über die Laguna Pehoe zum Refugio Paine Grande, dem Ausgangspunkt unserer Rundtour, übersetzten, schien sogar die Sonne und wir konnten das gesamte Bergmassiv bewundern. Was für ein Start!

Der Nationalpark Torres del Paine zieht sehr viele Besucher aus der ganzen Welt an. Die Trekkingtouren im Bereich der berühmten Türme haben auch nicht viel mit den einsamen Touren in anderen Teilen Chiles gemein, aber man kann es auch keinem verübeln, es ist schon verdammt schön in dieser Gegend, wenn es schön ist. Ein Großteil der Trekkingaktivität beschränkt sich aber auf das berühmte „W“, einem Teil der Torres del Paine Umrundung in Form eines großen W. Wir hatten aber die gesamte Umrundung geplant, auf der es auch ruhige Abschnitte gibt.

Wir starteten also am Lago Pehoe bei schönstem Wetter in Richtung Campamento Italiano. Vorbei am Lago Skottsberg machten wir auch gleich Bekanntschaft mit dem patagonischen Wind, der wahre Wasserfontänen über den kleinen See trieb. Wir waren aber windgeschützt in den Überresten des von einem Waldbrand im Jahr 2012 verkohlten Waldes unterwegs. Und errichteten früh am Nachmittag des 24. Dezembers unser erstes Camp. Weihnachten! Unsere letzten Weihnachten haben wir ja des Öfteren schon auf Reisen verbracht, wer diese Reisen bereits etwas mitverfolgt hat, weiß aber genau, dass egal ob am Mount Kenia, beim Kayaken in den Fjorden Neuseelands, in den Sümpfen der Rwenzori Mountains in Uganda oder der Wüste von Jordanien etwas nie fehlen durfte, die obligatorische Nudelsuppe mit Würstel. Dieses Jahr gab es aber noch eine besondere Leckerei. Miriam und Hannes hatten Weihnachtskekse aus der Heimat mitgebracht, was für ein Genuss.

In der Früh weckte uns dann der Regen, der auf‘s Zelt trommelte. Gut, dass wir zusätzlich zu unserem Zelt noch das leichte Tarp mitgenommen hatten, so konnten wir unter dieser aufgespannten Plane immer alles Trocken einpacken. Erst einmal unterwegs ist der Regen nicht mehr so störend und das Wetter in Patagonien kann sowieso von der einen auf die andere Minute von Regen auf Sonnenschein wechseln. Statt dem geplanten Abstecher ins Valle Frances nutzten wir den trüben Tag, um weiter bis ins Campamento Torres zu gehen. Daraus ergab sich für uns die einmalige Chance, 2 Nächte hier zu bleiben, und nach dem, von diesem Camp, nur sehr kurzen Aufstieg einen Blick auf die Postkartenansicht der Torres zu erhaschen. Die Torres del Paine bei Sonnenaufgang zu fotografieren, reizte natürlich nicht nur den Fotografen Hannes. Dazu mussten hier im Süden, wo es momentan von ca. 4:30 bis fast 23:00 Uhr hell ist, die Wecker sehr früh gestellt werden. Wir konnten aber beruhigt weiterschlafen, es schüttete wie aus Kübeln, als der Wecker läutete. Die Taktik mit den 2 Nächten in diesem Camp erwies sich aber als die Richtige. Als die Vögel wieder etwas zu zwitschern begannen, machte ich mich noch im Regen auf zu einer kurzen Erkundungstour und scheuchte die anderen danach aus den Schlafsäcken. Die bereits etwas gedrückte Stimmung schlug spontan in Entzücken um, als der Nebel den Blick auf die ersten Torres frei gab. Die Nacht hatte in dieser Höhe auch etwas Neuschnee gebracht (wir hatten unsere weißen Weihnachten), der den Aufstieg zwar etwas erschwerte, zusammen mit den drei aus den Wolken auftauchenden Granitkolossen aber ein beeindruckendes Bild abgab.

Am nächsten Morgen wollte ich noch die zweite Chance vor dem Frühstück nutzen und stieg noch einmal zu den Torres auf. Ein schöner Sonnenaufgang alleine unter den Torres del Paine erwartete mich, die rot angeleuchteten Türme blieben mir aber verwehrt. Nach dem Frühstück stiegen wir ab zur Hosteria las Torres und gingen weiter entlang des Rio Paine. Diese Gegend ist eine der milderen Klimazonen des Parks, von denen es insgesamt, auf diesem kleinen Raum fast nicht vorstellbar, 16 gibt. Bei unserer Wanderung durch die riesigen Margaritenfelder schien noch dazu die Sonne. Diese gesamt 7-stündige Etappe brachte uns in das nette und sehr freundliche Campamento Seron, wo wir sogar frisch gebackenes Brot kaufen konnten.

Bei trübem, regnerischem Wetter folgten wir am nächsten Tag dem Pfad zum Campamento Dickson. Auf dem 19 km langen Teilstück kamen uns immer wieder Gruppen entgegen, die ihre Tour beim wunderschön am Lago Dickson gelegenen Camp abgebrochen hatten, da es Gerüchte gab, dass der 1.241 Meter hohe John Gardner Pass auf Grund massiver Schneefälle nicht passierbar sei. Davon wollte ich mich zumindest selber überzeugen und so gingen wir, nach einem sonnigen, warmen Abend, am nächsten Tag hinauf ins Lager Los Perros und starteten von dort zeitig in der Früh in Richtung Passhöhe. Ohne Probleme konnten wir schon um kurz nach 9:00 Uhr den Ausblick von der Passhöhe auf den gigantischen Grey Gletscher, einem fast 20 Kilometer langen Ausläufer des patagonischen Inlandseises, bewundern. Diese lange Tagesetappe führte uns durch dichte Urwälder, mit immer wieder tollen Ausblicken auf die unvorstellbar breite Eisfläche, zum Refugio Grey, nahe der Gletscherzunge, wo dieser unter lautem Getöse in den Lago Grey kalbt. Der frühe Start hatte sich gelohnt und so blieb uns noch genügend Zeit, die umhertreibenden Eisschollen im See zu beobachten, deren Dimension uns erst bewusst wurde, als das Ausflugsschiff, dass hier Touristen an den Gletscher bringt, vorbeifuhr.

Am Ende der Torres del Paine Umrundung zeigte es sich auch, dass wir unsere Essensrationen gut kalkuliert hatten. Denn wir mussten diese, zur Feier des letzten Abends, lediglich mit etwas Vino Tinto und Chips aufstocken.

Nach einer kurzen Tagesetappe zurück zum Lago Pehoe endete unsere Trekkingtour rund um die Torres del Paine wieder, wie sie begonnen hatte, mit der Bootsfahrt über den See. Für Miriam und Hannes war es die erste Tour dieser Art und sie haben sich sehr gut geschlagen, wenn es einem das Wetter auch nicht immer ganz leicht macht. Aber das ist eben Patagonien oder wie man auf etwaige Wetteranfragen von den Nationalpark-Rangern zu hören bekommt: „Don‘t ask about the weather…thats patagonia!“

An unserem letzten Abend mit Miriam und Hannes konnten wir in Puerto Natales noch gemeinsam Silvester feiern. Patagonisches Lamm, gegrillt vom Allerfeinsten, stand auf dem Menüplan und die eine oder andere Flasche Vino Tinto oder Cerveca wurde auch geleert…aber das ist eine andere Geschichte.

Miriam und Hannes verbringen noch eine Nacht in Punta Arenas und zwei erholsame Tage in Santiago, bevor sie, hoffentlich um viele Eindrücke und Erlebnisse reicher, die Heimreise antreten.

Bei uns heißt es: next stop El Chalten, im argentinischen Teil Patagoniens.

 

23. Dezember

Abstecher auf die Isla de Chiloe.

Bei der Fahrt von Pucon Richtung Süden führte uns ein Abstecher auf die nach Feuerland zweitgrößte Insel Chiles. Chiloe ist als extrem regenreiche Region und für ihre Wollprodukte bekannt. Wir waren glücklich und mussten mit keinem der Beiden Bekanntschaft machen. Es hat dort nie geregnet und für die Wollhaube war es einfach zu warm. Was wir aber dort sehen wollten, haben wir gesehen, und das aus nächster Nähe. Die Pinguine und Seelöwen auf den Islotes de Punihuel. Gschtiascht.


20. Dezember

Besuch von Freunden.

Nach einem kurzen 2-Tagesausflug ins Vale Cochamo, der uns gleichfalls beeindruckend, wie auch auf Grund der fehlenden Zeit zum Klettern, etwas qualvoll in eine größtenteils unberührte Landschaft umrahmt von riesigen Granitbergen führte, konnten wir am Freitag den 13. Miriam und Hannes vom Flughafen in Puerto Montt abholen.

Für die Zwei haben wir ein 3-wöchiges Programm im Süden Chiles zusammengestellt und dürfen so einen Teil unserer Reise zu viert erleben. Abergläubige Menschen hätten sicher einen anderen Ankunftstag gebucht, uns hat das Datum bisher aber sehr viel Glück beschert. Wir erleben hier gerade einen außergewöhnlichen Frühsommer mit Sonnenschein und Temperaturen bis 30 Grad.

Nach einer Nacht in Puerto Varas, einer netten kleinen Stadt am Ufer des Llanqihue See mit dem Vulkan Osorno im Hintergrund, wo wir uns auch gleich mit den nötigen Lebensmitteln für mehrere Tage in den Nationalparks eindecken konnten, fuhren wir am nächsten Tag gleich Richtung Norden.

Unser erstes Ziel war der Nationalpark Conguillio, der den Vulkan Llaima umrahmt. An der idyllischen, mit fast weißen, abgestorbenen Bäumen gespickten Laguna Captren konnten wir direkt am Ufer unser Lager aufschlagen. Früh am nächsten Tag störte der Wecker die Laute der Natur, welche sonst hier vorherrschten, denn wir hatten eine lange Tour geplant. Fast 2.000 Höhenmeter über Vulkansand und steile Schneefelder führten uns auf den Gipfel des 3.125 Meter hohen Vulkans Llaima. Die Spuren des letzten Ausbruches im Jahr 2008 waren noch überall gegenwärtig. Der erste Kontakt mit Steigeisen und Pickel war für Miriam und Hannes nur kurz etwas ungewohnt, dann stiegen wir recht schnell in Richtung Gipfel und konnten den Ausblick über den Kraterrand, den Nationalpark und die vielen Seen genießen. Gipfelrast mit Fußbodenheizung wurde uns hier geboten, denn die Aktivität des Vulkans war deutlich zu spüren. Nach dem typischerweise recht schnellen Abstieg über Vulkansand und Schnee schmeckten uns die Thunfischspagetti mit einem Salat aus Tomaten und Avocado, die hier ihren Geschmack am Baum entfalten dürfen, bis sie reif sind.

Gemütlicher streiften wir am nächsten Tag durch die Wälder des Parque Nacional Conquillio und wanderten von der Laguna Captren zur Laguna Conguillio, Jurrasic Park live wurde uns hier geboten. Dichter Urwald mit den gigantischen, der ganzen Region namensgebenden Araukarien-Bäume herrschte hier vor. Diese Bäume mit ihren Nadel- bzw. Blätterwerk, das die Äste komplett überzieht, und ihrer schirmähnlichen Form gab es schon zu Zeiten der Dinosaurier. Wir konnten ein Exemplar bewundern, das mit seinen 50 Metern Höhe und fast 3 Metern Stammdurchmesser unglaubliche 1.800 Jahre alt sein soll. Als wir den schattenspendenden Wald verließen, überzeugte uns die für diese Jahreszeit ungewöhnlich starke Hitze recht schnell davon, den Tag mit einem Bad in der Laguna Captren ausklingen zu lassen.

Weiter ging es am nächsten Tag mit unserem Leihauto entlang und über riesige Lavafelder, durch dichten Urwald, viel ländliche Gegend und unzählige Seen nach Pucon, mit dem schneebedeckten und mit seinem perfekt geformten Kegel die ganze Gegend beherrschenden Vulkan Villarrica.

Hier übernachteten wir auf einem netten Campingplatz mit warmen Duschen, Pool und netten Kochplätzen. Mit der Idylle und dem Schlafen war es aber schnell vorbei, als gegen Mitternacht eine chilenische Schulgruppe eintraf. Wir ließen uns aber nicht von unserem Plan abbringen, den Villarrica bei Sonnenaufgang zu besteigen und so, wenn auch nicht ganz legal (normalerweise darf man laut Nationalparkverwaltung nur zwischen 7 und 9 Uhr starten), den hohen Temperaturen und dem tiefen Sulzschnee beim Abstieg zu entgehen. Diese Taktik gab uns ganz schnell Recht. Die Ausblicke bei Sonnenaufgang waren sensationell! Der noch harte Schnee ermöglichte uns einen schnellen Aufstieg. Und wir genossen es sehr, ganz alleine am Kraterrand zu stehen und die, im wahrsten Sinne des Wortes, atemberaubenden Aus- und Einblicke in diesen noch sehr aktiven Vulkan zu erleben. Neben dem regelmäßigen Grollen zeugen ständig aufsteigende giftige Fumarolen, bei denen man gut beraten ist, immer die Windrichtung zu beachten, von der Aktivität dieses 2.847 Meter hohen Vulkans. Beim Abstieg kamen uns dann in der Hitze des späten Vormittages die Karawanen der durch einheimische Guides geführten Touristengruppen entgegen, die sich im Zeitlupentempo Richtung Kraterrand wälzten. Den Abstieg bewältigen diese Gruppen dann, auf Grund des am Nachmittag tiefen Schnees, meist auf dem Hintern sitzend. Uns blieb das erspart, denn wir konnten am Nachmittag schon unser Eis am Hauptplatz von Pucon, dem touristischen Mittelpunkt im Seengebiet genießen.

Für die nächsten beiden Nächte gelang uns ein wahrer Glücksgriff. Wir bekamen zwei nette Zimmer auf der Farm von Margot, einer einheimischen Mapuche-Frau, und ihrer Tochter Charlotte. In diesem sehr familiären Rahmen machten wir einen Reitausflug zu Wasserfällen, grillten in einem original Mapuche-Haus und konnten im schönen Holzhaus wunderbar entspannen.


12. Dezember

Kletterabstecher nach Argentinien.

Nach den hohen, aber technisch einfachen Bergen im Norden Chiles war die Zeit mehr als reif für einige Klettermeter. Nach einer Nacht in der Hauptstadt Santiago, die sich durch Aus-, Um- und Einpacken von unserem Material für den Süden recht kurz gestaltete, brachte uns ein Inlandsflug nach Puerto Montt ins so genannte Seengebiet. Mit etwas Glück saßen wir kurz nach unserer Ankunft auch schon im Bus nach Bariloche in Argentinien. Planen könnte man das nicht so knapp, aber wenn man wie wir, bei unseren privaten Reisen, recht spontan unterwegs ist, kann man ab und zu einen (Kletter)Tag dazugewinnen.

In Bariloche, dem „St. Moritz Südamerikas“, hielten wir uns nur kurz für zwei Nächte auf. Am ersten Tag haben wir uns ein Mountainbike ausgeliehen, um die wunderschöne Seenlandschaft per Rad zu erkunden. Schwer bepackt mit unserer Kletterausrüstung und Vorräten für eine knappe Woche nahmen wir aber schon am nächsten Tag den 4-stündigen Aufstieg zum Refugio Frey in Angriff. Nach der ersten Klettertour an der Aguja Frey waren wir uns schon einig, der doch recht lange Zustieg in dieses Klettergebiet hatte sich gelohnt!

Schroffe Granitnadeln, beste Felsqualität, abwechslungsreiche Kletterei und das Ganze in der äußerst relaxten Atmosphäre der Frey Hütte mit seiner recht internationalen Kletterszene ließen unsere Kletterherzen höher schlagen. Das gute Wetter trug dazu bei, dass wir jeden Tag einen Klassiker klettern konnten. Sifuentes/Weber (5+) an der Aguja Frey, Del Diedro (5+) am M2, Imaginate (6a+), eine der besten Routen, die ich bisher im Granit geklettert bin, am Campanile Esloveno, Via Normal (6a), am höchsten Gipfel der Gegend, dem Torre Prinzipal, Objectivo Luna (6b) am Cohete Lunar und Diedro de Jim (5+) sowie Lost Fingers (6b) an der Aguja Frey konnten wir klettern, bevor unsere Lebensmittelvorräte ausgingen. Ohne die berühmte Pizza auf dem Refugio Frey hätten wir unser Lager wahrscheinlich auch schon früher räumen müssen.

Zurück nach Chile fuhren wir dann wieder mit dem Bus über die Internationale Fernstraße von Bariloche (Argentinien) nach Osorno (Chile). Hier ist seit dem Ausbruch des Vulkans Cordon Caulle im Jahr 2011 eine wirklich einzigartige Landschaft aus abgestorbenen Bäumen und meterhohen Asche- und Bimsablagerungen zu beobachten.


1. Dezember

Ojos del Salado 6.893m…leider nein!

Unser nächstes Ziel, der höchste aktive Vulkan der Erde verlangte eine weeeiiite und laaangweilige Autofahrt von San Pedro de Atacama durch die öde Landschaft entlang der Panamerikana Sur. Nach 700 km tröstete am Abend aber ein schöner Sonnenuntergang an den Stränden des Parque Nacional Pan de Azucar. Am nächsten Tag hieß es dann aber schon wieder „Höhenmeter machen!“. Auf Grund unserer bereits ganz guten Akklimatisation konnten wir von Chanaral auf Meeresniveau, durch die Minengegend von El Salvador, vorbei am Maricunga-Salzsee und dem Nationalpark Tres Cruces bis hinauf zur Refugio Atacama auf 5.200 Meter mit dem Geländewagen fahren.

Die Höhenanpassung perfektionieren sollten eine Nacht auf dieser Hütte/Biwakschachtel, ein Vorstoß ins nächste Lager auf 5.811m, den wir auch zum Wassertransport nutzen wollten, und eine weitere Nacht auf 5.200m. Jeden Tag begleitete uns strahlender Sonnenschein, welcher aber nicht über die besonders an den Nachmittagen sehr starken Winde und die extreme Kälte hinwegtäuschen konnte.

Am 28. November starteten wir dann unser Vorhaben Ojos del Salado, den höchsten Berg Chiles. Bereits am frühen Nachmittag erreichten wir unser Hochlager auf 5.811m das Refugio Tejos, zwei Container, die hier Schutz vor dem Wind boten. Früh gingen wir schlafen, um am nächsten Tag um ca. 4:00 Uhr starten zu können. Wir wollten die Kälte der Nacht in Kauf nehmen, um dem normalerweise im Laufe des Tages stärker werdenden Wind auszustellen.

10 Grad minus in der Hütte. Als der Wecker läutete, waren wir beide schon munter. Schnell unser Frühstück und Tee zubereiten. Gott sei Dank haben wir uns das Wasser dafür schon am Vortag im Topf vorbereitet, denn alles in den Kanistern war gefroren. Unser Plan dem Wind auszustellen, ging leider nicht auf, der wehte bereits stark. Wir wollten es aber trotzdem versuchen und stiegen in der Dunkelheit langsam in Richtung Gipfel dieses fast 7.000ers. Wir waren gut ausgerüstet, Gott sei Dank haben wir uns für unsere Expeditionsschuhe entschieden, aber es war A….kalt! Noch in der Nacht mussten wir das erste Mal auf 6.100 Metern in den Biwaksack, um unsere Füße wieder warm zu bekommen. Wir fühlten uns aber beide sehr stark an diesem Tag und sehr gut akklimatisiert, wir wollten unbedingt weiter steigen. Nach einem weiteren Stopp im Biwaksack auf 6.400 Metern, war bereits die Sonne aufgegangen, nur minimal konnte sie uns unterstützen, denn der Wind wurde immer stärker. Schön langsam begannen wir uns mit dem Gedanken an einen Abbruch anzufreunden, die Zehen waren einfach nicht mehr warm zu bekommen. Auch wenn es nur noch gute 300 Höhenmeter zum Gipfel waren, der Wind wurde immer noch stärker und das Thermometer (am Körper!) zeigte minus 15 Grad. Wir entschieden uns auf 6.580 Metern für den Abstieg.

Nur kurz währte aber das Gefühl der Enttäuschung, viel zu groß war die Freude über das Erlebte. Wir durften ein paar wunderbare Tage in einer einzigartigen, wenn auch wilden Landschaft verbringen. Ganz allein, nur wir zwei. Keine andere Expedition war in diesen Tagen am Berg unterwegs.

Genossen haben wir dann aber auch die erste Wärme nach Tagen in den heißen Quellen der Laguna Verde, einem fast unwirklich türkis schimmernden Bergsee auf 4.333 Meter.


24. November

Dani’s erster 6.000er!
Am Samstag den 23.11. um 12:30 Uhr standen wir am 6.046m hohen Vulkan Pili (auch Acamarachi genannt).

Die Atacama Wüste rund um San Pedro de Atacama, erreichten wir nach einer langen und eintönigen Fahrt über die endlosen Geraden der Panamericana Sur mit Ausgangspunkt Iquique. Auf dem Weg konnten wir ein Stück chilenischer Zeitgeschichte besichtigen, die Salpeter Stadt Oficina Humberstone, wo von 1862 bis 1960 unter teils sehr rustikalen Bedingungen der Grundstoff für Düngemittel und Schießpulver abgebaut und verarbeitet wurde. Immer wieder überraschten uns auf der Strecke vereinsamte Friedhöfe in Gegenden, wo zig Kilometer weit keine Stadt zu sehen war. Auch dies sind Zeitzeugen aus der Salpeterepoche und die einzigen Überbleibsel der unzähligen Salpeter Städte (Oficinas). Nach dieser trostlosen Fahrt waren wir sehr froh, das kleine Oasendorf Chiu Chiu erreicht zu haben und genossen dort die heimische Küche und eine angenehme Nacht in einem einfachen, aber sehr schönen Hostal.

Frisch eingedeckt mit Lebensmitteln, Wasser und Zusatzbenzin fuhren wir in Richtung Linzor, einem kleinen Bergdorf in den Anden. Anfangs noch eine Piste entwickelte sich der Weg dorthin ganz schnell zum reinsten Offroad-Gelände. Tiefe Gräben und wackelige Brücken mussten überquert werden, bis dann nach ca. 80 km Fahrt und nur 8 km vor unserem Ziel Stopp war. Bevor wir einen sandigen Graben, der halbseitig abgerutscht war, durchfahren wollten, machten wir uns noch ein Bild, ob es danach überhaupt noch weiter ging. 100 Meter entfernt wäre aber an eine Weiterfahrt aufgrund eines 1,5 Meter tiefen Grabens nicht mehr zu denken gewesen. Uns blieb also nichts anderes übrig, als die ganze Strecke wieder zurück zu fahren, um den Zugang zu unseren Bergzielen in der Atacama Wüste über San Pedro zu suchen.

Bergsteigen in dieser Gegend hat einen ganz eigenen Charakter. Man fährt quer durch die Wüstenlandschaft so weit wie möglich an den Berg heran und schlägt das Basislager in einer endlosen Weite direkt neben dem geparkten Geländewagen auf. Fast nur so ist es möglich, auch die benötigen Wassermengen bei sich zu haben. Man befindet sich durchwegs in Höhen über 4.000 Meter, was auch dazu beiträgt, dass es trotz teils angenehmer Tagestemperaturen in der Nacht empfindlich abkühlt. Temperaturen um minus 10°C im Zelt waren keine Seltenheit.
In der Nähe der berühmten Tatio Geysire gelang uns eine Besteigung des 5.195 Meter hohen Vulkan Tatio. Hier durften wir auch das erste Mal Bekanntschaft mit den starken und böigen Winden machen, die über die Hochebene der Puna de Atacama pfeifen.
Nach einer Nacht im quirligen und mittlerweile sehr touristischen Oasenort San Pedro de Atacama ging es für uns weiter in eine sehr abgelegene Gegend, wo wir für vier Nächte unser Basislager auf 4.650 Meter aufschlugen. Ausgehend von diesem idyllischen und unvorstellbar ruhigen Platz weit ab jeglicher Zivilisation gelang uns die Besteigung des 5.625 Meter hohen Colachi, sowie des 6.046 Meter hohen Pili (oder Acamarachi). Die Emotionen auf Dani’s ersten 6.000er waren ähnlich dem Ausblick von diesem einzigen 6.000er zwischen Paso Jama und Paso Sico, berauschend. Der Aufstieg auf den formschönen und sehr steilen Vulkan Pili, der wegen seines gleichmäßigen Kegels auch einer der heiligsten Berge der Inkas war, gestaltete sich über schroffes Block- und Schuttgelände sehr anstrengend. Wir benötigten für die 1.200 Höhenmeter fast sechs Stunden. Beim Abstieg hingegen findet man bei diesen Vulkanbergen meistens schottrige Rinnen, die einen „Schnellabstieg“ ermöglichen.

Wir befinden uns jetzt schon wieder auf dem Weg Richtung Süden in die Gegend rund um den höchsten noch aktiven Vulkan der Welt und dem höchsten Berg Chiles, Ojos de Salado.


17. November

Ab in den großen Norden!

Nachdem wir für die 28-stündige Busfahrt von Santiago de Chile nach Arica, an der peruanischen Grenze, keine passenden Plätze mehr bekommen haben, entschieden wir uns für die teurere, aber um gut 24 Stunden kürzere Variante eines Inlandsfluges. Für unseren Plan die Andenregion „Cordillera Occidental“ kennenzulernen und uns für die Hochebene „Puna de Atacama“ zu akklimatisieren, benötigten wir jedoch noch etwas Vorbereitung.

Ein Geländewagen, Marke Nissan Terrano Pickup, wurde am Flughafen ausgeliehen. Dabei gab es bei der Mängelabnahme erschrockene Blicke von Dani und einen breiten Grinser von Tom, denn das Auto hatte zahlreiche Kratzer und Gebrauchsspuren. Ein Auto auf das man nicht aufpassen muss, einfach perfekt für’s Gelände. Lebensmittel und Wasser für die nächsten 10 Tage wurden eingekauft und zusätzlich ca. 30 Liter Diesel im Kanister auf die Ladefläche gepackt.

Nach kurzer Besichtigungstour in Arica fuhren wir noch am selben Tag Richtung bolivianischer Grenze ins auf 3.500m hoch gelegene Örtchen Putre. Hier zeigte sich Chile bereits etwas mehr von seiner „südamerikanischen“ Seite, mit Steinhäusern, Lamas, Alpacas, Vicunas, Indiomärkten mit bunten Webwaren und vielem mehr. Die Nähe zu Peru und Bolivien war eindrucksvoll zu sehen.

Schlichtweg überwältigt waren wir in den nächsten Tagen bei unserer Fahrt über das Altiplano durch die Cordillera Occidental. So holprig die Schotterpisten, so atemberaubend die Landschaft. Die Plätze, die wir für unser Zelt wählten, waren ohne Übertreibung einzigartig.
Anfangs noch auf der Fernstraße Richtung Bolivien zeigten sich die Vulkane Parinacota (6.342m) und Pomerape (6.282m) mit ihren perfekt geformten und schneebedeckten Kegeln. Umrahmt von unzähligen Lagunen und grünen Hochmooren raubten sie uns bei unseren Fotoausflügen den Atem. Oder war es doch die Höhe, denn wir waren bereits auf über 4.500m angelangt. Von nun an ging es auf holpriger Piste weiter gegen Süden. Vorbei am Vulkan Guallatiri (6.063m), dessen Fumarole weithin seine Aktivität signalisiert, und einigen ausgestorbenen Wüstendörfern, erreichten wir gegen Abend den Salzsee „Salar de Surire“. Die Abgeschiedenheit ermöglichte es uns, unser Zelt direkt am Ufer neben den Flamingos aufzuschlagen. Nach einem morgendlichen Bad in den natürlichen Thermalpools am anderen Seeufer, überschritten wir, wenn auch nicht ganz legal, bei einer Akklimatisationstour auf den Cerro Capitan (4.685m) die bolivianische Grenze.
Am Abend erreichten wir, gut durchmasiert von den vielen Waschrumpeln auf dieser Strecke, den Geysir Puchuldiza. Wie bereits zuvor waren wir hier die einzigen Menschen weit und breit. Auf einem ca. 500 x 500 m großen Plateau aus dampfenden Löchern und brodelnden Heißwasserpools schlugen wir ca. 20 Meter neben beim Geysir unser Zelt auf. Neben dem Geysir war auch noch ein Klotz bestehend aus Eis und Schnee. Die Schneefallgrenze befindet sich in dieser Gegend um mehr als 1.000 Meter höher, es hatte ca. 25°C und außerdem ist es eine sehr trockene Gegend. Wie es hier Schnee geben kann, können wir uns nur dadurch erklären, dass die Fontäne in den sehr kalten Nächten durch den Wind so fein zerstöbt wird, dass es nach dem Prinzip unserer Schneekanonen hier zu einer natürlichen Art Kunstschnee kommt. Die thermische Aktivität bereitete Dani am nächsten Morgen noch eine angenehme Überraschung. Tom wählte als Campingkoch ein passendes Wasserloch aus und es gab weichgekochte Frühstückseier.

Auf unserem Weiterweg Richtung Küstenstadt Iquique machten wir Halt bei dem größten Scharrbild überhaupt, den Geoglyphen „Gigante de Atacama“, einem bedeutenden Zeugnis prähispanischer Kultur. Kunst- oder Kulturbanaußen würden für diesen besch… Steinhaufen keinen Meter weit fahren. Interessierte an diesem Kunstwerk aus dem 9. Jahrhundert, wie wir, machen natürlich diesen Abstecher. Bereits nach 1,5 km interessierten uns die Geodingsbums einen Dreck. Wir steckten im sandigen Ebendiesen nämlich bis zur Achse fest. Nach 4,5 Stunden Sand graben, Steine tragen, sich unter das Auto wühlen, Wagenheber platzieren, Auto aufheben, unterbauen und das mitten in der Wüste in der glühenden Mittagshitze gaben wir auf. Hilfe musste her!
Nach ca. 30-minutigem Fußmarsch erreichte Dani eine Baustelle, wo ein netter Arbeiter mit Bagger uns zu Hilfe kam.

Auf dieses Abenteuer benötigten wir zur Abwechslung eine Dusche und wählten deshalb ein Hotel als unsere Unterkunft in Iquique. Die Dame an der Rezeption schaute zwar etwas entgeistert als sie uns sah, sandig und dreckig wie wir waren, aber wir hatten dann trotzdem einen gemütlichen Abend und eine erholsame Nacht in der Hafenstadt.

 

13. November
Unser Ausflug ins Cajon del Maipo Tal war sehr einsam, aber abwechslungsreich. Das Tal gilt als Naherholungsgebiet von Santiago. Mit einem privaten PKW kommt man in ca. 1,5 Stunden bis zum Talschluss nach Banos Morales oder Banos Colina. Daher fahren meist am Wochenende viele Tagesausflügler zu den Thermalquellen und dem Nationalpark El Morado, um die wunderschöne Natur und die grandiosen Aussichten auf den über 5.856 m hohen aktiven Vulkan San José und den südlichsten 6.000erMarmolejo (6.108 m) zu genießen. Von Montag bis Freitag ist Banos Morales dann aber beinahe wie ausgestorben.

Als wir am Mittwoch ankamen, waren wir daher erstmals sehr erstaunt, dass wir keine anderen Bergsteiger oder Touristen antrafen. Wir entschieden uns nun als erstes die Vorakklimatisation zu starten. Dazu packten wir Zelt, Schlafsack, Kocher, Geschirr und Essen zusammen und stiegen auf knapp über 3.000 m zum Refugio Diablo auf. Das Refugio ist leider keine angenehme bewirtschaftete Hütte, wie Dani das ursprünglich vermutete, sondern eine winzige Biwakschachtel. Dagegen hatten wir es in unserem Zelt richtig luxuriös. Am nächsten Tag stiegen wir dann auf den 3.930 m hohen Vorgipfel des Cerro Diablo, der uns mit Büßerschnee und einem schottrigem Grat begrüßte. Doch Wetter und Aussicht waren perfekt und belohnten unseren Aufstieg.

Nach einer weiteren Nacht auf über 3.000 m stiegen wir wieder ab ins Tal und erkundeten die Klettermöglichkeiten rund um Banos Morales. Der Fels veränderte sich von Sandstein über Vulkanisches Gestein bis Granit. Geologisch ein sehr spannendes Gebiet, das viele Geologen und Geologie Studenten als Forschungsgebiet anlockte und wir konnten sogar Geologen bei Ihrer Forschungsarbeit beobachten. Wir hatten zwei wettersichere Klettertage und konnten mehrere Sportkletterrouten und eine lange Mehrseillängenroute erklettern. Interessant waren dabei auch die Zu- und Abstiege zu den Klettergebieten, denn das war sehr abenteuerliches Gelände über Bäche, durch Schluchten, viel loses Gestein und Geröll und kaum ein Pfad zu erkennen.

Auch den Thermalquellen in Banos Morales statteten wir einen Besuch ab. Doch so schnell wie wir in den Schwefelbecken drin waren, waren wir auch schon wieder draußen. Die 22°C Wassertemperatur und die anschließende eiskalte Dusche konnten uns bei ca. 10°C Außentemperatur und Wind nicht recht begeistern. Viel besser war dafür die heiße Schokolade direkt am Eingang zu den Thermalbädern.

Wieder zurück in Santiago genossen wir den Luxus einer warmen Dusche und die Vorzüge einer Stadt.

Nun geht es Richtung Norden, wo wir von Arica aus startend die Atacama Wüste und die hohen Berge Chiles kennenlernen möchten.

 

6. November:
Nach drei Tagen in der Hauptstadt Santiago de Chile, die wir mit Sightseeing und der weiteren Reiseplanung bzw. Vorbereitungen wie Landkarten besorgen, Permits organisieren, Inlandsflüge buchen usw. verbracht haben, fahren wir jetzt für einige Tage in die Berge östlich von Santiago (Cajón del Maipo). Geplant sind einige Klettermeter rund um Banos Morales und Bergsteigen als Vorakklimatisation für "Höheres".


3. November:
25°C, Sonnenschein, Fischessen in der Markthalle Mercado Central, über den Plaza de Armas geschlendert, im Hostel relaxt, Sonnenuntergang am Cerro San Cristóbal und danach Pizza und Bier in Bellavista genossen... nach dem langen Flug sind wir mehr als gut in Santiago de Chile angekommen!


2. November:
Unsere Taschen sind gepackt, jetzt kann's losgehen. Wir fliegen heute ab 19:00 Uhr von München nach Santiago de Chile und freuen uns schon sehr auf unsere Reise.

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